Ich habe mir einige der „Fotografie-Trends 2026“ angeschaut, über die gerade geschrieben und gesprochen wird. Vieles davon klingt für mich erstaunlich vertraut. Weniger perfekte Inszenierung, mehr echte Momente, Geschichten statt Einzelbilder. Deshalb schreibe ich hier nicht die nächste Buzzword-Liste, sondern das, was ich selbst in der Fotografie wichtig finde und beobachte.
Schluss mit dem Hochglanz-Zwang
Perfekt ausgeleuchtete und bis ins letzte Detail inszenierte Bilder haben natürlich weiterhin ihren Platz. Gleichzeitig sehe ich aber einen deutlichen Gegenpol: Fotos dürfen wieder natürlicher wirken. Nicht jedes Haar muss perfekt liegen und nicht jedes Lachen muss auf Kommando entstehen.
Gerade bei Hochzeiten interessieren mich die Situationen, die sich nicht planen lassen. Die Braut lacht über einen Spruch, das Kleid bewegt sich im Wind oder jemand reagiert während der Trauung völlig anders als erwartet. Genau solche Momente machen eine Reportage persönlich.
Klingt nach einem neuen Trend, ist für mich aber eigentlich nichts Neues. Ich fotografiere schon lange lieber Menschen als perfekte Posen. Wenn das jetzt „mehr Menschlichkeit, weniger Inszenierung“ heißt, kann ich damit leben.
Eine Geschichte statt nur eines perfekten Bildes
Natürlich möchte jedes Paar auch einzelne Bilder haben, die für sich allein funktionieren. Für mich wird eine Hochzeit aber erst durch die vielen kleinen Situationen zu einer Geschichte: das nervöse Warten, ein Blick der Eltern, die Gratulationen, das Chaos kurz vor dem Essen oder die ersten Minuten auf der Tanzfläche.
Viele einzelne Momente ergeben zusammen etwas, das ein einziges perfektes Paarfoto nicht leisten kann. Jahre später erinnert man sich dadurch nicht nur daran, wie der Tag ausgesehen hat, sondern auch daran, was rundherum passiert ist.
Genau diesen Ansatz beschreibe ich ausführlicher in meinem Beitrag über eine authentische Hochzeitsreportage am Niederrhein .
Körnig, warm und ein bisschen nostalgisch
Analoge Bildästhetik und Film-Looks tauchen immer wieder auf: sichtbares Korn, weichere Kontraste und Farben, die nicht unbedingt nach digitalem Hochglanz aussehen müssen. Dafür muss natürlich niemand plötzlich eine analoge Kamera kaufen.
Interessanter finde ich die Idee dahinter. Ein Foto muss technisch nicht vollkommen glatt sein, um zu funktionieren. Ein bisschen Struktur oder eine zurückhaltendere Farbgebung kann einem Bild einen ganz anderen Charakter geben.
Gleichzeitig sollte daraus nicht einfach der nächste Filter werden, den man über jedes Foto legt. Meine eigene Arbeitsweise geht eher in die Richtung, möglichst viel bereits beim Fotografieren zu entscheiden. Warum ich dabei häufig JPG statt RAW bevorzuge , habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben.
Das Smartphone beeinflusst, wie wir Bilder ansehen
Fotos landen heute nicht nur im klassischen Album oder als Abzug an der Wand. Sie werden auf Smartphones betrachtet, verschickt, in Online-Galerien angesehen oder in sozialen Netzwerken geteilt.
Dadurch spielen neben klassischen Quer- und Hochformaten auch Bildausschnitte eine Rolle, die auf kleinen Displays funktionieren. Das bedeutet für mich aber nicht, jede Aufnahme nur noch für Reels oder Storys zu produzieren. Ein gutes Foto sollte nicht nach drei Tagen wertlos sein, nur weil irgendeine Plattform gerade ein anderes Format bevorzugt.
KI ist ein Werkzeug, aber sie macht nicht das Foto
KI-gestützte Funktionen sind inzwischen auch in vielen Programmen für Fotografen angekommen. Sie können beispielsweise beim Sortieren, Maskieren, Entrauschen oder bei bestimmten Arbeitsschritten der Bildbearbeitung helfen.
Das kann Arbeit erleichtern. Es ersetzt aber nicht die Entscheidung, wann ein Bild entsteht, welchen Ausschnitt ich wähle oder welchen Moment ich überhaupt als wichtig erkenne. Gerade bei einer Hochzeit muss ich reagieren, bevor die Situation vorbei ist. Eine Software kann mir hinterher helfen, aber sie kann diesen Moment nicht noch einmal stattfinden lassen.
Für mich liegt genau dort die Grenze: Technik darf den Arbeitsprozess unterstützen. Sie sollte aber nicht wichtiger werden als die Menschen und die Situation vor der Kamera.
Was heißt das konkret für euch?
Wenn ihr einen Fotografen für eure Hochzeit sucht, würde ich deshalb nicht nur einzelne spektakuläre Portfolio-Bilder anschauen. Schaut euch an, ob die Fotos zusammen eine Geschichte erzählen und ob ihr euch selbst in dieser Art der Fotografie wiederfinden könnt.
Mein eigener Ansatz ist dabei ziemlich einfach: möglichst wenig inszenieren, aufmerksam beobachten und die Situationen fotografieren, die ohnehin passieren. Nicht weil das 2026 plötzlich ein Trend ist, sondern weil diese Bilder für mich auch in vielen Jahren noch funktionieren sollen.
