Titelbild: KI-generierte Illustration, kein Screenshot von Squarespace.
Lohnt sich Squarespace für Fotografen? Wer als Fotograf eine Website braucht, landet ziemlich schnell bei diesem Baukasten. Große Bilder, schicke Schrift, viel Weißraum. Sieht erst mal nach genau dem aus, was man haben möchte: ein Portfolio, das die eigenen Fotos ordentlich präsentiert.
Verstehe ich. Niemand hat Lust, sich nach einem langen Shooting noch mit Servertechnik herumzuschlagen. Trotzdem bin ich bei Baukastensystemen skeptisch. Nicht, weil damit automatisch schlechte Websites entstehen. Sondern weil eine schöne Vorlage noch lange keine durchdachte Fotografen-Website ist.
Was Squarespace Fotografen tatsächlich bietet
„Squarespace für Fotografen“ ist kein eigenständiges Programm. Gemeint ist der Website-Baukasten mit Funktionen, die sich auch für Fotografen eignen. Dazu gehören unter anderem Portfolio-Seiten, Galerien, Blogs sowie Möglichkeiten, Produkte und Dienstleistungen anzubieten.
Auch eine Online-Terminbuchung lässt sich über Acuity Scheduling in eine Squarespace-Website integrieren. Welche Funktionen enthalten sind und welche zusätzlichen Kosten entstehen, hängt vom gewählten Squarespace- beziehungsweise Acuity-Angebot ab. Squarespace beschreibt die Möglichkeiten für Fotografen im eigenen Hilfebereich.
Auch einzelne Seiten lassen sich mit einem Passwort schützen. Dabei verwenden die Besucher einer geschützten Seite dasselbe Passwort. Das kann für bestimmte Inhalte praktisch sein, ist aber nicht automatisch dasselbe wie eine spezialisierte Kundengalerie mit individueller Bildauswahl, Freigabe und Auslieferung. Informationen zu passwortgeschützten Seiten bei Squarespace
Für ein überschaubares Portfolio kann das völlig ausreichen. Fair muss man bleiben.
Die Vorlage kennt deine Kunden nicht
Mein Problem beginnt dort, wo die Vorlage plötzlich vorgibt, wie sich ein Fotograf präsentieren soll. Großes Startbild, kurzer Spruch, Bilderraster, Kontakt. Fertig.
Kann gut aussehen. Erzählt aber noch nicht, warum jemand ausgerechnet dich buchen sollte.
Ein Brautpaar hat andere Fragen als jemand, der ein Bewerbungsfoto braucht. Bei einer Hochzeit geht es um Vertrauen, Begleitung und darum, ob die Chemie stimmt. Beim Businessporträt vielleicht zuerst um Ablauf, Bildnutzung und einen passenden Termin.
Wenn beide erst durch dieselbe endlose Galerie scrollen müssen, ist die Website zwar hübsch, aber nicht unbedingt hilfreich.
Deine Website sollte deine Arbeitsweise erklären. Nicht bloß freie Bildplätze in einer Vorlage füllen.
UX klingt kompliziert. Ist im Alltag ziemlich einfach.
UX steht für User Experience, also Nutzererlebnis. Für mich steckt dahinter eine einfache Frage: Kommt jemand auf deiner Website ohne unnötige Umwege ans Ziel?
Zum Beispiel:
- Sind Bilder und Texte auch unterwegs auf dem Smartphone zügig nutzbar?
- Erkennt man schnell, was du fotografierst und in welcher Region du arbeitest?
- Findet man Ablauf, Leistungen und Kontakt, ohne lange suchen zu müssen?
- Bleiben Menüs und Buttons verlässlich bedienbar, während Inhalte laden?
- Lassen sich Texte gut lesen und Formulare auch mit der Tastatur bedienen?
Besucher bringen unterschiedliche Erfahrungen und Erwartungen mit. Gerade deshalb sind verständliche Beschriftungen und verlässliche Abläufe oft wertvoller als die nächste spektakuläre Animation.
Niemand bucht mich, weil mein Menü besonders kunstvoll ins Bild fliegt. Ein Brautpaar möchte wissen, ob es sich bei mir gut aufgehoben fühlt.
Baukasten heißt nicht automatisch langsam. Individuell heißt nicht automatisch gut.
Auch das gehört zur Ehrlichkeit: Eine individuell programmierte Website kann schlecht gemacht sein. Und eine sorgfältig aufgebaute Baukasten-Seite kann ordentlich funktionieren.
Entscheidend sind die tatsächliche Umsetzung, sinnvoll aufbereitete Bilder, eingebundene Dienste und die Nutzung auf echten Geräten. Wer pauschal behauptet, jeder Baukasten sei langsam oder bei Google chancenlos, macht es sich zu einfach.
Ich bevorzuge individuelle Lösungen, weil ich Struktur und technische Umsetzung gezielt auf das Projekt abstimmen kann. Welche Inhalte braucht es wirklich? Was können wir weglassen? Wie führen wir von der ersten Frage zur passenden Anfrage?
Mehr Freiheit ist für mich ein Werkzeug. Noch kein Qualitätsversprechen. Man muss sie auch sinnvoll nutzen.
Datenschutz und Barrierefreiheit sind keine Dekoration
Ein Cookiebanner macht eine Website nicht automatisch datenschutzkonform. Genauso wenig beweist ein fehlendes Banner, dass alles sauber ist.
Ob eine Einwilligung erforderlich ist, hängt von den tatsächlich eingesetzten Funktionen und Diensten ab. Bei einwilligungsbedürftigen Zugriffen muss die Einwilligung eingeholt werden, bevor der entsprechende Zugriff auf das Endgerät erfolgt. Orientierungshilfe der Datenschutzaufsichtsbehörden zu digitalen Diensten
Mein Ansatz: möglichst wenige unnötige Dienste einbauen und bewusst prüfen, was tatsächlich gebraucht wird. Nicht erst alles integrieren und anschließend ein Banner darüberlegen.
Bei Barrierefreiheit denke ich genauso praktisch: ausreichende Kontraste, sinnvolle Bildbeschreibungen, verständliche Formulare, erkennbare Bedienelemente und eine Bedienung per Tastatur. Das muss mitgedacht und geprüft werden, unabhängig davon, welches System dahintersteht.
Und was ist mit SEO?
Auch beim Thema Suchmaschinenoptimierung ist der Website-Baukasten allein nicht die entscheidende Frage. Eine Website wird nicht automatisch gut gefunden, nur weil sie individuell programmiert wurde. Genauso wenig ist eine Squarespace-Seite grundsätzlich von guten Rankings ausgeschlossen.
Wichtiger sind unter anderem sinnvolle Inhalte, eine nachvollziehbare Seitenstruktur, passende Seitentitel und Beschreibungen, interne Verlinkungen und eine technisch vernünftige Umsetzung.
Gerade bei Fotografen kommt noch etwas sehr Banales hinzu: Bilder müssen fürs Web sinnvoll aufbereitet werden. Wer riesige Bilddateien hochlädt, weil die Kamera schließlich 30 oder 60 Megapixel bezahlt bekommen hat, macht die Website dadurch nicht hochwertiger.
Mein Fazit: Die Bilder sind individuell. Die Website sollte dazu passen.
Squarespace kann ein sinnvoller Einstieg sein, wenn du schnell ein Portfolio aufbauen möchtest und mit den angebotenen Möglichkeiten zurechtkommst. Dafür muss sich niemand rechtfertigen.
Ich selbst bevorzuge Websites, deren Aufbau aus dem jeweiligen Geschäft entsteht. Nicht aus der Frage, welche Vorlage gerade am schicksten aussieht. Das gilt für Squarespace genauso wie für andere Baukästen.
Eine gute Fotografen-Website muss nicht möglichst kompliziert oder voller Effekte sein. Sie sollte deine Handschrift zeigen, Fragen beantworten und den nächsten Schritt leicht machen.
Weniger Show. Mehr Orientierung. Und ein Auftritt, der wirklich zu dir passt.
Du möchtest mehr als ein schönes Bilderraster?
Ich bin nicht nur als Fotograf am Niederrhein unterwegs. Unter Richtung A entwickle ich auch individuelle Websites mit maßgeschneidertem Design und durchdachter Nutzerführung.
Wenn du dir einen Auftritt wünschst, der deine Arbeit verständlich präsentiert und technisch bewusst umgesetzt ist, können wir uns anschauen, was du tatsächlich brauchst. Ohne Baukasten-Bashing und ohne Funktionen einzubauen, nur weil sie irgendwo auf einer Feature-Liste stehen.
Mehr über meinen Blick auf Fotografie liest du in Fotografie-Trends 2026: was wirklich zählt . Einen Einblick in meine fotografische Arbeit vor Ort findest du auf der Seite Fotograf in Geldern .
